Rotes Höhenvieh Moosbach

historisch



Martin Grau, 1868: Notizen über das Weidauer-Sechsämter braune Rindvieh in der Oberpfalz.


Der Weidauer rotbraune Rindviehschlag ist gleich bedeutend mit Sechsämter, oder Voigtländer Vieh. Diese Rindviehrace wird schon mehr denn 100 Jahre in den jetzigen Landgerichts-Bezirken der Oberpfalz, als in Waldsassen, Erbendorf, Tirschenreuth, Kemnath, Neustadt a. d. WN, Weiden und Vohenstrauß von Groß und Kleinbegüterten in solchem Umfang gezüchtet, daß höchsten per Hundert ein Prozent eingeführte Schecken oder Allgäuer Thiere vorkommen. In den anschließenden Landgerichts-Bezirken der Oberpfalz, als in Obervichtach, Naabburg, Amberg, Vilseck, Eschenbach und Auerbach ist die rotbraune Race mit Waldler- oder Scheckenschlägen zur Hälfte untermischt.

Im anschließenden Oberfranken, in den Bezirken Wunsiedel, Selb, und gegen Hof, breitet sich dieser Viehstamm noch aus, ist aber dort theilweise mit Bayreuther und Ansbacher Schecken in der neuen Zeit gekreuzt und vermischt worden. Das Egerland züchtet diesen Rindviehstamm theilweise noch rein.

Das Sechsämter oder Weidauer Vieh wurde im vorigen Jahrhundert auf den Gütern des ehemaligen Klosters Waldsassen zur jetzigen Vollkommenheit gebracht, und erreichte seit 50 Jahren seinen Glanzpunkt, in und um Weiden, Tirschenreuth, Mitterteich und Waldsassen. Das landwirtschaftliche Kreis-Comité der Oberpfalz hat in den letzten Jahren diesen Rindviehstamm durch Einführung von Zillerthaler-Stieren in Weiden und Pfrentsch bedeutend aufgebessert, und wird auch seit Jahren durch die Munifizenz des landwirtschaftlichen Kreis-Comités Weiden ein Bullemarkt mit Preisvertheilung abgehalten, wodurch die Inzucht bedeutend gewonnen hat.

Die Prämirungen der Weidener braunen Preissthiere bei den Oktoberfesten in München 1865, 1867, 1868, liefern den Beweis, daß wie oben erwähnt, diese Rindviehrace in und um Weiden seinen Glanzpunkt hat. Ein gemästetes Thier dieser Race, das in Etzenricht gezogen und in Weiden gemästet wurde, hat im Mai dieses Jahres in Frankfurt a. Main den ersten Preis erhalten.

Hören wir darüber Herrn Dr. Fraas in seinen Wanderskizzen aus der Oberpfalz, Zeitschrift des landwirtschaftlichen Vereins in Bayern, November-Heft 1854, Seite 486:

"Um Weiden kann man so schöne Rinder des Voigtländer Schlages sehen, als man irgendwo in der Welt nur etwas Preiswürdigeres sieht, und insbesondere sind es die Ochsen die an Gedrungenheit, Kraft und Beweglichkeit einen ausgezeichneten Grad einnehmen".

Die gemästeten Thiere dieser Race, welche von Weiden und Umgebung alljährlich in vielen hundert Paaren verkauft, haben seit mehr denn hundert Jahren Anerkennung bei den Metzgern und Consumenten in Regensburg, Nürnberg, Bayreuth, Leipzig, Prag etc. gefunden, und erreichen dieselben nicht selten ein lebendes Gewicht von 12 Zentnern und darüber per Stück. Seit Bestehen der Eisenbahnen werden damit nicht unbedeutende Geschäfte nach Frankfurt, Mainz, Berlin, Hamburg und England gemacht.

Auch besonders gesucht von sächsischen und preußischen Gutsbesitzern sind die 4 bis 6jährigen Einspannochsen dieser Race, theils wegen ihrer Gangart und Ausdauer als Arbeitsvieh, und auch wegen der schnellen Mastfähigkeit, und auch deswegen, weil die Metzger dieselben wegen ihres feinfetten Fleisches und feinen Knochengerüstes, den verschiedenen Scheckenschlägen vorziehen. Von den Viehmärkten der Oberpfalz, in Waldershof, Kemnath, Weiden, Moosbach, Pleistein, Leuchtenberg, etc. wird jährlich, ein nicht unbedeutender Handel mit solchen Einspannvieh nach Norddeutschland getrieben; und ich getraue mir zu behaupten, daß der Sechsämter, Voigtländer, Weidauer Ochse, als Einspann- und Mastvieh einen eben solch weit verbreiteten Ruf hat, als wie die Allgäuer Kuh, als Milchkuh.

 

Weiden, im November 1868, Martin Grau